
In diesem Artikel erkläre ich vier Gewohnheiten und Eigenschaften, die man bei Menschen beobachten kann die als Kinder emotional vernachlässigt oder emotional schlecht behandelt wurden. Vielen Betroffenen ist gar nicht bewusst dass sie emotional vernachlässigt wurden. Dieses Video kann Dir vielleicht helfen diese Dinge an Dir selbst oder an Menschen die Dir nahestehen zu erkennen.
Aber was genau bedeutet “emotional vernachlässigt” eigentlich? Naja, Kinder, oder Menschen allgemein, haben emotionale Bedürfnisse.
Diese Dinge sind für unsere emotionale und mentale Entwicklung genauso wichtig, wie Nahrung, Luft oder Wasser für unsere körperliche Entwicklung. Wenn diese emotionalen Bedürfnisse in unserer Kindheit nicht oder nur unzureichend erfüllt wurden, heisst das nicht unbedingt, dass unsere Eltern uns nicht geliebt haben. Manche Eltern sind einfach nicht in der Lage diese Bedürfnisse zu erfüllen, weil sie krank sind oder mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Es kann sein, dass unserer Eltern einfach nicht wussten, was ein Kind braucht oder wie man Liebe geben kann.
Die wichtigsten emotionalen Grundbedürftnisse sind: bedingungslose Liebe, Geborgenheit und Sicherheit. Ein Kind muss sich sicher, geliebt und akzeptiert fühlen, ganz ohne dass es dafür etwas leisten muss, wie zB Gehorsam, oder gute Schulnoten.
Dann muss es dem Kind erlaubt sein seine Gefühle auszudrücken. Ein Kind muss das Gefühl haben, dass seine Gefühle von anderen auch wahrgenommen werden. Also zum Beispiel muss das Kind “Nein” sagen dürfen wenn es etwas nicht möchte. Oder das Kind muss auch mal wütend oder traurig sein dürfen.
Ein weiteres Bedürftnis ist: Das Kind muss unbeschwert spielen dürfen. Auch Tierkinder spielen. Das ist wichtig für eine normale Entwicklung.
Ein Ein weiteres wichtiges Grundbedürftnis ist: ein Kind braucht Unterstützung und Anerkennung. Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen helfen und Mut machen. Ein Kind muss wissen, dass es Hilfe bekommt wenn es Hilfe braucht. Sonst kann es sich nicht sicher fühlen.
Wenn diese emotionalen Grundbedürfnisse in der Kindheit nicht erfüllt werden, sucht ein Kind den Fehler bei sich selbst. Dann versucht das Kind meistens sein Verhalten zu verändern, sich zu verbiegen und anzustregen, um den Erwachsenen zu gefallen, damit es das bekommt was es braucht.
Je nachdem wie die Situation ist, entwickelt das Kind unterbewusst Bewältigungsstrategien, um sein Bedürftniss nach Liebe und Sicherheit irgendwie erfüllt zu bekommen. Und daraus entstehen dann leider oft unbewusste Angewohnheiten, die man dann selbst im Erwachsenenalter nicht so leicht wieder loswird. Und diese Angewohnheiten sind nicht immer offensichtlich: Es kann sein, dass sich das nur ganz unterschwellig bemerkbar macht. Und bei manchen Menschen bestimmen diese Bewältigungsmechanismen ihr ganzes Leben.
Hier sind also 4 Dinge und Eigenschaften die Zeichen für emotionale Vernachlässigung in der Kindheit sein können:
Erstens: Wer als Kind vernachlässigt wurde versucht es jedem Recht zu machen: Die Bedürfnisse und Emotionen anderer werden als wichtiger angesehen als die eigenen. Betroffene versuchen immer die Wünsche von anderen zu erfüllen, ignorieren dabei aber ständig ihre eigenen Bedürfnisse. Zum Beispiel können sie nicht “Nein” sagen wenn man sie um einen Gefallen bittet. Sie geben meist alles um Erwartungen von anderen zu erfülln auch wenn sie eigentlich total erschöpft sind oder keine Zeit haben.
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Oft war in der Kindheit Liebe an Bedingungen geknüpft: Deshalb glauben Betroffene unterbewusst: Nur wenn alle um sie herum zufrieden sind, dann wird ihnen das gegeben was sie sich sehnlich wünschen: zB Liebe, Aufmerksamkeit und so weiter. Weil so kennen sie das aus der Kindheit: Nur wenn ich das mache was meine Eltern sagen, dann werde ich gut behandelt. Und deshalb ist für sie das was andere wollen immer wichtiger als ihre eigenen Bedürftnisse.
Nummer Zwei: Emotional vernachlässigte Kinder sind oft Einzelkämpfer und fragen nicht um Hilfe: Betroffene lernen schon als Kinder ohne Unterstützung und Hilfe klar zu kommen. Sie lernen, dass sie und ihre Probleme unwichtig sind und keinen interessieren. Vielleicht haben sie als Kind um Hilfe gefragt und wurden aber so oft im Regen stehen gelassen, dass sie sich den Schmerz wieder enttäuscht zu werden ersparen wollen. Deshalb wollen sie alles alleine schaffen und nehmen keine Hilfe an. Oder oft wollen sie auch niemandem zur Last fallen
Dann Drittens: Ein geringes Selbstwertgefühl Wer von den Eltern nicht genug Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen hat, der entwickelt leider oft ein tiefsitzendes Gefühl von Minderwertigkeit. Wie gesagt, wenn ein Kind schlecht behandelt wird sucht es den Fehler immer bei sich selbst. Wer mit emotionaler Vernachlässigung aufwächst lernt: “Es kümmert sich niemand um mich. Also bin ich nicht wichtig.”
Viertens: Sie wollen alles kontrollieren Kindern die vernachlässigt oder misshandelt wurden fehlt ein grundlegendes Sicherheitsgefühl. Wenn das Elternhaus keine emotionale Sicherheit bietet und nicht vorhersehbare Dinge passieren, dann bedeutet das für das Kind, dass es sich auf niemanden verlassen kann. Deshalb sind Betroffene oft Kontrollfreaks, die alles im Griff haben wollen. Nur wenn sie selbst die Kontrolle haben, können sie sich wirklich sicher fühlen. Weil unterbewusst denken sie “auf andere kann ich mich nicht verlassen”.
Diese Verhaltensweisen haben den Betroffenen in der Kindheit wahrscheinlich geholfen klarzukommen, aber im Erwachsenenalter stehen sie sich damit oft selbst im Weg. Oft machen sie sich mit den Bewältigungsstrategien ihr Leben unnötig schwer. Aber Betroffenen fällt es oft sehr schwer diese Verhaltensweisen abzulegen, vor allem auch weil sie oft unterbewusst sind. Aber es ist natürlich anstregend und auch nicht gesund die eigenen Bedürftnisse zu ignorieren oder immer alles kontrollieren zu wollen: Beziehungsprobleme und Burnout sind nur zwei mögliche Folgen.
Ein erster Schritt ist, diese Bewältigungsmechanismen an sich selbst zu erkennen und dann immer mal wieder bewusst andere Entscheidungen zu treffen, auch wenn sich das ungewohnt anfühlt. Auch mal “Nein” zu sagen, auch mal bewusst Hilfe anzunehmen. Die eigenen Bedürftnisse zu erkennen und sich dann selbst das zu geben was man braucht: Erholung. Schlaf und so weiter.
Aber man muss ganz klar sagen: Es gibt nicht nur körperliche Misshandlung, sondern auch emotionale Misshandlung. Und emotionale Vernachlässigung von Kindern ist Misshandlung. Leider ist emotionale Vernachlässigung für Außenstehende oft vollkommen unsichtbar:
Übermäßige Kritik, verbales Niedermachen, verbale Bedrohungen oder Beschimpfungen: Das ist Kindesmisshandlung. Oder auch wenn etwas, das ein Kind für seine gesunde Entwicklung braucht, vorenthalten wird, kann das Misshandlung sein. Zum Beispiel Liebesentzug als Strafe, Ignorieren des Kindes als Strafe, wenn das Kind mit Absicht schlechter behandelt wird als Geschwister oder wenn dem Kind nicht geholfen wird, wo Hilfe angebracht wäre. Wie gesagt emotionale Vernachlässigung oder emotionale Misshandlung ist oft für Aussenstehende unsichtbar und kommt in ganz normalen Familien vor. Viele Leute denken vielleicht sogar das sind ganz normale Erziehungsmaßnamen weil sie selbst so aufgewachsen sind. Aber für Kinder ist emotionale Misshandlung oft genauso schlimm oder vielleicht sogar schlimmer als körperliche Misshandlung. Und als Erwachsene tun sie sich dann schwer diese ungesunden Bewältigungsstrategien wieder loszuwerden.
Ich denken wenn Betroffenen anfangen darüber zu sprechen und sich austauschen werden wir merken wie weit verbreitet dieses Problem in Wirklichkeit ist.
